Viktor Weimann tankt aus der Steckdose, er testet bei der Firma Temps den E-Crafter von VW noch vor dessen Markteinführung.

Neustädter Zeitung vom 03.03.2018 / Foto: Seitz

 

Nach Feierabend an die Steckdose

Temps testet Elektro-Transporter vor der Markteinführung

Neustadt. Manche Baustelle ist zwar derzeit wetterbedingt nicht zu bedienen, Ulrich Temps kann Schnee und Eis aber trotzdem etwas Positives abgewinnen. „So können wir den E-Crafter jetzt auch im Winterbetrieb testen“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen Malereibetriebe.

Seine Firma gehört zu rund 40 anderen bundesweit, wie vor der Markteinführung den komplett elektrisch angetriebenen großen Transporter von VW-Nutzfahrzeuge (VWN) auf „Herz und Nieren“ prüfen. „Wir möchten auf möglichst breiter Ebene Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge sammeln, um das Fahrzeug besser für spätere Kunden nutzbar zu machen. Die Frage ist, ob die Theorie unserer Ingenieure mit der Praxis in den Unternehmen übereinstimmt“, sagt VWN-Sprecher Markus Arand.

Für Viktor Weimann passt beides schon recht gut zusammen. Der Vorarbeiter ist bei Temps mit dem E-Crafter unterwegs, hauptsächlich auf Baustellen in der näheren Umgebung – Stadtgebiet Hannover inklusive. „Morgens muss er natürlich erstmal von der Steckdose gelöst werden und nach Feierabend dran“, sagt Weimann. Bis zu 160 Kilometer Reichweite lassen sich mit der 350 Kilogramm schweren Batterie erreichen, laut Weimann sind es selbst bei hoher Beladung, Radio und Nutzung der umfangreichen Assistenzsysteme selten weniger als 100 Kilometer. „Das reicht für einen Arbeitstag“, so Weimann. Eine Herausforderung war anfangs das fehlende Motorgeräusch. „Da muss man für andere mit aufpassen, weil sie einen nicht hören“, sagt er.

Ulrich Temps steht dem Thema E-Mobilität überaus offen gegenüber, engagiert sich auch im entsprechenden Kundenbeirat bei VW. „Wir haben schon ein elektrisches Botenfahrzeug sowie zwei Hybridfahrzeuge für Meister“, sagt der Unternehmer, für den die Elektromobilität auch ein Marketing-Instrument ist – unabhängig von drohenden Dieselfahrverboten in Städten. An der Hamburger Dependance hat schon jeder Stellplatz eine Ladesäule. Temps kann sich vorstellen ab dem Verkaufsstart im September auf jeden Fall einen der neuen Transporter anzuschaffen, bei weiteren Modellen und passender Reichweite auch weitere Fahrzeuge. Und der Strom, mit dem auch der E-Crafter geladen wird, ist grün. Allein auf den Liegenschaften in Neustadt produziert die Firma 110.000 Kilowattstunden aus Photovoltaik-Anlagen pro Jahr.

Jetzt im Winter hat Viktor Weimann noch einen weiteren Vorteil ausgemacht: „Die Heizung ist sofort richtig warm, nicht erst wenn der Motor warm wird“.

VWN newstransporter 1/2018

Die ersten e-Crafter sind seit einigen Wochen bei Testkunden im Einsatz. Hierzu gehören international tätige Lieferdienste, deutsche Energieversorger und auch regionale mittelständische Unternehmen – wie das Traditionsunternehmen „temps Malereibetriebe“ aus Neustadt am Rübenberge.

Foto: Henning Scheffen

Ein Dienstagmorgen im März, die vergangene Nacht war mit -12 Grad eine der kältesten in diesem Winter, der Neuschnee auf den Straßen ist noch unberührt. Malervorarbeiter Viktor Weimann und sein Kollege Matthias Preetz sind pünktlich am Hauptsitz der Firma „temps GmbH Malereibetriebe“, um den neuen Arbeitstag vorzubereiten. Materialien packen, Routen checken und Fahrzeug kontrollieren.

Alles wie immer? Fast, denn die beiden sind derzeit mit einem e-Crafter unterwegs. „Ich bin schon jetzt großer Fan vom e-Crafter“, so Weimann. „Sehr komfortabel, Klimaanlage, Sitzheizung und bequeme Sitze – alles an Bord!“

Doch bevor hinten die Ladung in den e-Crafter reinkommt, muss erst mal die volle Ladung auf die Batterie. Weimann: „Kein Problem, das machen wir hier über Nacht und morgens können wir schnell starten.“.

Der Akku ist voll, dann geht´s weiter zur Beladung: ganz einfach, Heckklappe auf, Material schnell mit dem Stapler eingeladen. „Kein Nachteil beim Fassungsvolumen durch die Batterie, perfekt“, urteilt Weimann. Die Farbeimer, Pinsel und Leitern sind an Bord, dann geht es endlich los auf die Straße. Nahezu geräuschlos rollt der e-Crafter vom Hof, nur der Schnee knirscht unter den rollwiderstandoptimierten Reifen.

Foto: Henning Scheffen

Auch beladen kommt der e-Crafter flott voran, ein Tritt auf das Gaspedal und der Elektro-Transporter geht ab. „Das Fahren macht richtig Spaß“, sagt Weimann. Auf dem Weg zum ersten Einsatz gibt es einige verwunderte Blicke von Passanten. Großes Auto, kaum ein Geräusch. Das scheint noch ungewohnt.

Später dann die erste Pause für die beiden Maler. Weimann: „Machen wir im Auto. Dein Fahrzeug ist auch immer dein Arbeitsplatz. Ablagen, Becherhalter, alles hat seinen richtigen Platz im Crafter.“.

Dann geht es weiter, zum nächsten Job. Ein paar Kilometer haben die beiden noch vor sich. Die Reichweite sei kein Problem – auch nicht bei den niedrigen Temperaturen. „Der e-Crafter schafft die Tour ohne Probleme“, weiß der Malerpolier. Am späten Nachmittag dann Feierabend. Rund 90 Kilometer hat der e-Crafter heute zurückgelegt. „Das reicht für meinen Arbeitstag“, sagt Weimann – und hängt den e-Crafter wieder an die Ladestation.

Foto: Henning Scheffen